Landwirtschaft trifft Schule-Landtagspräsident lobt Einsatz der Neuenkirchener

Engagierte Truppe:Landtagspräsident Bernd Busemann (Mitte) freute sich über den tatkräftigen Einsatz der Neuntklässler in der Landwirtschaft. Initiiert haben das Projekt Klassenlehrerin Cornelia Heimbrock (links) und Adalbert Wegmann (rechts) als stellvertretender Schulleiter. Foto: Ulrike Havermeyer
Neuenkirchen. Zum Abschluss des Projekts „Landwirtschaft trifft Schule“ hat der niedersächsische Landtagspräsident Bernd Busemann den Neuenkirchener Oberschülern einen Besuch abgestattet. Er lobte ihren Einsatz auf den Höfen und unterstrich, dass die Jugendlichen sich dadurch einen wertvollen eigenen Eindruck über die Agrarwirtschaft vor Ort verschafft hätten. Zwei gigantische Schlepper auf dem Schulhof. In der Aula: In lebhafte Diskussionen vertiefte Vertreter der Landvolkverbände, der Landwirtschaftskammer und der Politik, darunter Landtagspräsident Bernd Busemann. Keine Frage, das Thema Agrarwirtschaft bewegt derzeit viele Gemüter. Spätestens seit dem Projekt „Landwirtschaft trifft Schule“ nun auch die der Neuntklässler der Oberschule in Neuenkirchen. Die Erfahrungen, die die Mädchen und Jungen dabei auf den Betrieben gesammelt haben, standen im Mittelpunkt des feierlichen Projektfinales, bei dem die Jugendlichen ihre Eindrücke und die Politiker ihre Ansichten präsentierten. Landwirtschaft zum Anfassen Kälber füttern. Ferkel umstallen. „Wir durften sogar Trecker fahren“, berichtete Jonas Kempe (Klasse 9b) dem Publikum von dem – aus pädagogischer Sicht „projektorientierten Unterricht an außerschulischen Lernstandorten“. Kurzum: Landwirtschaft zum Anfassen – inklusive Stallgeruch, deftigem zweitem Frühstück und jeder Menge handfester Arbeit. Bereits zum fünften Mal haben Klassenlehrerin Cornelia Heimbrock und der stellvertretende Schulleiter Adalbert Wegmann die Landwirte aus Merzen, Voltlage und Neuenkirchen – insgesamt 22 Höfe haben sich beteiligt – dafür gewinnen können, den Jugendlichen vier Tage lang einen Einblick in das Leben auf einem modernen Agrarbetrieb zu gewähren.
„Sich eine eigene Meinung bilden“                                                                   „Unsere Schüler sollen möglichst viele praktische Erfahrungen sammeln und sich eine eigene Meinung bilden“, beschreibt Cornelia Heimbrock das vielleicht wichtigste Ziel ihres Projekts. Denn, dass es auf den Höfen längst nicht mehr so zugeht wie in der Bilderbuchidylle aus Kindertagen, ist eine notwendige Erkenntnis für jeden, der die aktuellen Produktionsabläufe verstehen, einordnen und beurteilen will. „Landwirtschaft ist Hightech: extrem spezialisiert und technologisch auf hohem Niveau“, betonte denn auch Landtagspräsident Bernd Busemann. Der gebürtige Emsländer hatte die Schirmherrschaft für das Projekt „mit Freude und mit ganzem Herzen“ übernommen und lobte die „wohlwollende Grundhaltung“, mit der die Schüler und die Landwirte einander in der Samtgemeinde begegneten. Busemann mahnte den – aus seiner Sicht in der Öffentlichkeit oft – mangelnden Respekt vor den landwirtschaftlichen Familienbetrieben an: „Die Landwirte gehören zu den Leistungsträgern der Gesellschaft“, unterstrich er deren „existenzielle Bedeutung“ und appellierte an einen fairen und sachlichen Umgang: „Diese Betriebe sollten wir wertschätzen und keinesfalls aufgeben: In Niedersachsen ernährt im Durchschnitt ein Landwirt 130 Menschen.“
„Öffentlichkeitsarbeit par excellence“ Darüber, wie die Landwirte es anstellen, für die Nahrungsgrundlagen der Gesellschaft zu sorgen, wissen die Neuntklässer der Schule jetzt schon ziemlich gut Bescheid: Im Rahmen einer Ausstellung im Obergeschoss des Schulgebäudes präsentieren die Jugendlichen derzeit ihre „Projekt-Höfe“: vom Getreideanbau-, Milchvieh-, Bullen-, Hähnchen- oder Schweinemastbetrieb bis zur Biogasanlage. „Für uns ist dieses Projekt eine Form der Öffentlichkeitsarbeit par excellence“, freute sich auch Kreislandwirt Johannes Schürbrock über die positive Zusammenarbeit und versicherte, dass er und seine Kollegen für eine Wiederauflage des Projekts jederzeit bereit stünden. Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay hob die Notwendigkeit der Initiative für das gegenseitige Kennenlernen von angehenden Auszubildenden und den regionalen Landwirten als potenzielle Arbeitgeber hervor.
Und was hat das Projekt für die Schüler gebracht? Zumindest Jonas Kempe zieht eine erfreuliche Bilanz: „Wir fanden’s saugut im Sau(en)stall von Landwirt August Grüter.“

Zur Sache: Vier Tage lang haben die Neuntklässler der Oberschule Neuenkirchen im Rahmen des Projekts „Landwirtschaft trifft Schule“ auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Samtgemeinde mitgeholfen. Eine wichtige Erkenntnis: Zwischen Schlagwörtern wie „Massentierhaltung“ und „Tierwohl“ befindet sich die Landwirtschaft derzeit in einem Umbruch – Stichwort: Agrarwende. Einer zunehmenden „Entfremdung zwischen Produzent und Konsument“, wie Wiard Siebels, landespolitischer Sprecher der SPD für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung die Situation beschrieb, könnten gerade solche Projekte erfolgreich entgegenwirken. „Gegen Misstrauen und mangelnde Akzeptanz helfen nur Aufklärung und eigene Erkenntnisse“, lobte auch Landtagspräsident Bernd Busemann die Initiative der Schule. ugh

Ein Artikel von Ulrike Havermeyer

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