Frühzeitige Berufsvorbereitung erspart spätere Enttäuschung

Wie die Oberschule Neuenkirchen Schülern bei der Weichenstellung hilft – Gespräch mit Schulleiter Ernst-August Schulterobben

Neuenkirchen. In Klasse 9 müssen die Weichen der Schüler für das weitere Berufsleben endgültig gestellt sein. Das betont Ernst-August Schulterobben, Leiter der Oberschule Neuenkirchen, im Interview mit dem „Bersenbrücker Kreisblatt“. Deshalb sei der Besuch der Messe „Azubis werben Azubis“ auch eine Pflichtveranstaltung, sagt er.
Herr Schulterobben, wann beschäftigen sich Ihre Schüler zum ersten Mal mit der Berufswahl?
Die erste Beschäftigung mit dem Thema Beruf findet sicher schon viel früher im Elternhaus statt. Wer wollte als Kind nicht auch schon einmal Polizist, Lokomotivführer oder Fußballspieler werden. Mit diesen Vorstellungen kommen die Zehnjährigen in die Oberschule. In Klasse 5 und 6 sprechen wir noch nicht von Berufswahl, beziehen aber schon den Zukunftstag (früher Girls’ Day) mit in den Unterricht ein. Auch Projekttage können schon eine gewisse berufliche Ausrichtung erfahren. Eigentlich los geht es im Jahrgang 7. Hier bekommen alle Schüler den Berufswahlpass ausgehändigt, der sie in den nächsten Jahren begleiten wird.
Wie viele Schüler haben in der 7. Klasse eine Vorstellung von ihrem weiteren Schul- und Berufsweg?
Die Auseinandersetzung mit Berufen ist ein langer Prozess. Konkrete Vorstellungen haben Schüler mit 12, 13 Jahren natürlich nur sehr selten.
In Ihrem Schulkonzept ist von „berufsorientierenden“ und von „berufsbildenden“ Maßnahmen die Rede. Was heißt das?
Die Erlasse beschreiben sehr genau die schulischen Maßnahmen zur Berufsvorbereitung. Ab dem 7. Schuljahrgang werden berufsorientierende, ab dem 9. Schuljahrgang entsprechend der Schwerpunktbildung berufsorientierende und berufsbildende Maßnahmen durchgeführt. Die Schule erarbeitet dazu ein fächerübergreifendes eigenes Konzept. Dieses versuchen wir umzusetzen. Berufsorientierende und berufsbildende Maßnahmen werden je nach Schwerpunktbildung für Schüler, die ein Profilangebot wählen – jetzt noch Realschüler –, an mindestens insgesamt 30 Tagen, für Schüler, die den berufspraktischen Schwerpunkt wählen – jetzt Hauptschüler –, an mindestens insgesamt 60 Tagen durchgeführt. Das gilt auch für die künftigen Jahrgänge in der Oberschule.
Welche Inhalte sind in den einzelnen Jahrgängen vorgeschrieben?
Ich kann nur kurz anreißen, welche berufsorientierenden Maßnahmen wir an der Oberschule Neuenkirchen festgelegt haben. Als eigenverantwortliche Schule sind wir relativ frei in der Ausgestaltung der beruflichen Vorbereitung. Somit gibt es weniger Vorschriften, aber einen großen Gestaltungsspielraum. Wir als Oberschule Neuenkirchen nehmen diesen schulischen Bereich sehr ernst, denn unser Leitbild in der Schule heißt „Stark werden für das Leben“. Berufsvorbereitung ist Aufgabe in allen Fächern für das gesamte Kollegium und beginnt schon in gewisser Weise in den Klassen 5 und 6 durch Projekttage und die Teilnahme am Zukunftstag. Ernsthafter wird die Thematik ab Klasse 7. So führen wir Projekttage in den Klassen 7, 8 und 9 mit unterschiedlichen Schwerpunkten durch. Die Hauptschüler machen jeweils ein Praktikum in Klasse 8 und in Klasse 9. Durch die gute kooperative Zusammenarbeit mit den Betrieben in der Region gelingt es immer wieder ohne Probleme, unsere Schüler in Praktikumstellen zu bringen. Das gilt auch für die Realschüler, die ihr Praktikum in Klasse 9 absolvieren. Die Realschüler der Klasse 8 haben zunächst Gelegenheit, eine Woche lang die Berufsbildenden Schule in Bersenbrück zu besuchen und dort die unterschiedlichsten Berufsfelder kennenzulernen, bevor sie sich ab Klasse 9 für ein Profilfach entscheiden müssen.
Welche Profile gibt es?
Wir bieten das Profil „Technik“ sowie „Gesundheit und Soziales“ an. Die Profilbildung in der Realschule dient einerseits schon einer gewissen beruflichen Ausrichtung, aber auch einer besseren Vorbereitung für einen möglichen schulischen Ausbildungsweg. Es gibt aber noch weitere Module, die uns wichtig sind, so die Zusammenarbeit mit der Berufsberatung, die BIZ-Besuche und das neu eingeführte Kompetenzfeststellungsverfahren.
Welche Rolle spielen die Eltern?
Ohne die Eltern geht nichts. Über Elternstammtische in Zusammenarbeit mit der Hauptschulprofilierung und Einbeziehung der Eltern in die Auswertungsgespräche des Kompetenzfeststellungsverfahrens wird die Bedeutung der Berufsvorbereitung deutlich gemacht. Die Initiativen gehen sehr häufig von den Eltern aus, denn den meisten von ihnen ist bewusst, dass eine gute und frühzeitige Berufsvorbereitung manche spätere Enttäuschung erspart. Damit kann es auch gelingen, Abbrüche in der Ausbildung zu verhindern.
Ziel allen Bemühens ist es, die Schüler bestmöglich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Hatten alle Schüler in den vergangenen Jahren bei der Verabschiedung einen Ausbildungsvertrag in der Tasche?
Ohne Anschlussmöglichkeit bringt auch das beste Abschlusszeugnis nichts. Ich kann feststellen, dass es uns tatsächlich immer wieder gelingt, die meisten Schüler direkt in einen Ausbildungsplatz zu bringen. Dazu zähle ich auch die weitere schulische Ausbildung. Darauf sind wir sehr stolz.
Wie erreichen Sie es, dass alle Hauptschüler bisher immer einen Ausbildungsplatz gefunden haben?
Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Zunächst einmal können wir als Schule mit einem klaren Konzept der Berufsorientierung mit engagierten Kollegen dazu beitragen und die Schüler bestens vorbereiten. Dabei kommen uns natürlich die sehr guten Kontakte mit den Betrieben in unserer Region zugute, denn die Betriebe wissen und schätzen es, wie unsere Schüler auf die Berufswelt vorbereitet werden. Wir vertrauen uns sehr. Außerdem haben wir zur Unterstützung noch eine zusätzliche Kraft durch das Programm der Hauptschulprofilierung in Person von Karin Beyreuther, die einen wesentlichen Beitrag leistet und sich besonders um die Schüler kümmert, denen nicht alles so leicht in den Schoß fällt.
Wie wichtig ist die Teilnahme an der Messe „Azubis werben Azubis“?
Es ist eine tolle Gelegenheit, unseren Schülern die Begegnung mit Betrieben, Berufen und Azubis zu ermöglichen. Wir nehmen seit zwei Jahren regelmäßig an dieser Messe teil. Was in früheren Jahren und teilweise auch jetzt noch eher freiwillig als Angebot galt, machen wir für die Schüler in Klasse 9 verpflichtend, denn dann müssen Weichen endgültig gestellt werden.
Informationen zur Messe „Azubis werben Azubis“ heute von 8.30 bis 15 Uhr in den Hallen des Unternehmens Hülsmann-Reisen, Karlstraße 1 in Voltlage, gibt es auch im Internet: www.ilek-nol.de

Autor:Bersenbrücker Kreisblatt

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