Wie ein Schulprojekt dem Tod den Schrecken nehmen soll – Ein Gespräch mit den Klassenlehrern: „Ein schwieriges und dankbares Thema“

Neuenkirchen. Das Bedürfnis, über den Tod zu sprechen, ist bei vielen Schülern oft groß. Das stellen Cornelia Heimbrock und Adalbert Wegmann immer wieder fest. Dass das von ihnen konzipierte Projekt „Uns allen blüht der Tod“ hilft, dem Tod den Schrecken zu nehmen, davon sind die beiden Lehrer an der Haupt- und Realschule Neuenkirchen überzeugt. „Das nimmt dem Tod den Gruseleffekt“, sagen sie im Interview mit dem „Bersenbrücker Kreisblatt“.

Frau Heimbrock, ist es schwierig, Zehntklässler mit dem Thema Tod zu konfrontieren? Der Tod gilt doch als Tabu. Es ist ein schwieriges, aber auch dankbares Thema. Viele Schüler der zehnten Klassen sind in diesem Alter bereits häufig mit dem Tod konfrontiert worden – in der Familie und im Freundeskreis. Wir erleben, dass Schüler dann dankbar sind, wenn dieses Thema aufgegriffen wird. Es ist unsere Aufgabe als Pädagogen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich im Unterricht öffnen zu können. Dort dürfen sie alles, was sie bewegt, auch erzählen. Sie müssen es aber nicht.
Herr Wegmann, wie haben die Schüler auf diese Unterrichtseinheit reagiert? Ganz unterschiedlich. Viele Schüler sind froh, dass sie endlich einmal darüber reden können. Für andere ist der Tod noch sehr weit weg, er spielte bislang keine Rolle. Unsere Erfahrungen sind, dass die Hälfte einer Klasse in irgendeiner Weise mit Tod und Sterben konfrontiert worden ist.
Frau Heimbrock, Sie haben zum zweiten Mal einen Expertentag zum Projekt „Uns allen blüht der Tod“ veranstaltet. Worin liegt der Vorteil? Lehrer kennen sich nicht in allen Bereichen gut aus. Manches können Fachleute viel besser erklären. Diese laden wir deshalb gerne in den Unterricht ein, damit Schüler Informationen aus erster Hand erhalten. Wobei wir als Lehrer auch immer etwas dazulernen. Wer weiß denn, wie teuer ein Grabstein ist oder wie die Bepflanzung eines Grabes? Durch die Interviews mit den Experten können die Schüler Antworten auf ihre Fragen bekommen. Und sie merken dabei auch, dass selbst Fachleute, die regelmäßig mit Tod und Trauer zu tun haben und routiniert mit dem Thema umgehen, zum Beispiel eine Beerdigung nicht einfach so abstreifen, nur weil alles geregelt ist.
Frau Heimbrock, hilft dieses Schulprojekt mit, das Thema zu enttabuisieren?
Ja, ganz sicher. Die Jungen und Mädchen können in angenehmer Atmosphäre ihre Fragen loswerden. Und alle in der Klasse beschäftigen sich zur gleichen Zeit mit dem Tod. Das nimmt dem Tod den Schrecken, den Gruseleffekt. Ich erlebe es als Beratungslehrerin sehr häufig, dass Schüler bei Todesfällen in der Familie verunsichert und ratlos sind. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Da ist der Gesprächsbedarf oft sehr groß.
Herr Wegmann, was folgt auf den Expertentag? Wir behandeln das Thema Tod im Unterricht weiter – nicht nur im Fach Religion. Im Fach Deutsch geht es darum, dass die Schüler aus ihren Gesprächsrunden mit den Experten Berichte schreiben. Damit stellen sie ihr Thema den Mitschülern vor. Zum Schluss möchten wir das Projekt „Uns allen blüht der Tod“ noch der Öffentlichkeit vorstellen. Wie und in welcher Weise wissen wir aber noch nicht.
Das heißt, das Thema Tod und Sterben wird auch in anderen Unterrichtsfächern behandelt? Ja, im Mathematikunterricht oder im Fach Biologie. Da geht es zum Beispiel um die Vererbungslehre.

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