„Kombiklasse“ als neues Lösungsmodell für Hauptschulproblem - HRS Neuenkirchen geht neue Wege

evkö Neuenkirchen. Bundesweit gehen die Schüleranmeldungen an Hauptschulen zurück. Dieser Trend ist auch am Hauptschulzweig der Haupt- und Realschule (HRS) Neuenkirchen zu erkennen. Lediglich acht Schüler wurden für das fünfte Schuljahr in Neuenkirchen angemeldet.

„Die Grundschulen geben heute deutlich weniger Hauptschulempfehlungen als früher, außerdem steht in Niedersachsen der Elternwille an erster Stelle. Wenn Eltern nicht wollen, dass ihr Kind die Hauptschule besucht, dann müssen sie es auch nicht“, so HRS-Schulleiter Ernst-August Schulterobben in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Schulen, Jugend und Sport der Samtgemeinde Neuenkirchen.
Außerdem wandern viele Fünftklässler mit Haupt- oder Realschulempfehlung aus der Samtgemeinde Neuenkirchen nach Recke, Schwagstorf oder Fürstenau ab und besuchen nicht die Schule vor Ort.
Für die HRS führte diese Situation im neuen Schuljahr zu einem Problem: Mit acht Schülern kann keine Hauptschulklasse gebildet werden. Lösungsmöglichkeiten: Entweder die fünfte und sechste Klasse mit 21 Hauptschülern zusammenzufassen oder aus acht Hauptschülern und 26 Realschülern zwei sogenannte „Kombiklassen“ zu bilden.
Die HRS hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden. Vorteil sei, so Schulterobben, dass in beiden Klassen nur 17 Schüler seien, dadurch könne jeder Einzelne auch besser gefördert werden. Überhaupt möglich wurde die Einrichtung einer „Kombiklasse“ durch die Verordnung zur eigenverantwortlichen Schule vom 1. August 2007. Seitdem haben Schulen erheblich erweiterte Freiräume für die Organisation des Lernens.
Konkret sieht das im Rahmen der „Kombiklasse“ an der HRS Neuenkirchen folgendermaßen aus: Im fünften Jahrgang wurden zwei Klassen mit jeweils 17 Schülern gebildet, in beiden befinden sich vier Hauptschüler. Die Hauptschüler werden auch weiterhin als solche unterrichtet und erhalten auch das Zeugnis einer Hauptschule.
Die Realschulkinder müssen dann zum Beispiel mehr oder anspruchsvollere Aufgaben lösen. In den Hauptfächern werden die Kinder differenziert unterrichtet, sodass die leistungsstärkeren Kinder anders gefördert werden können als die leistungsschwächeren. So soll gewährleistet sein, dass die Schwächeren nicht „abgehängt“ werden und den Stärkeren nicht langweilig wird.
Das Prinzip scheint zu funktionieren, laut Schulterobben sind sowohl Lehrer als auch Eltern und Schüler mit der Lösung sehr zufrieden.

Erschienen in: Bersenbrücker Kreisblatt am 01.09.2010

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